Von Kniebeugen, Tele-Gym & Thai Chi - Zeller Turner auf närrischer Zeitreise

20 Riesenbabys am Hochreck - Auch Turner aus Gengenbach und Steinach auf der Bühne

Zu einer närrischen Zeitreise lud am Freitagabend der Turnverein Zell ein. Die Außerirdische Sybille Nock vom Planet Solaris begrüßte alle, die sich mit ihr auf diese Expedition durch die Turnepochen begaben. Die "intelligente Zeitmaschine Modell TV2011", die sogar fließend badisch sprach, und Astronaut Jan führten durch das Programm.

Zur ersten Nummer beamten sie sich in die Jahre 1800 bis 2112. Dort gelandet, leitete die fotoscheue Volleyballgruppe die lustige Zeitreise "Turnen im Wandel der Zeit". Alles begann mit Turnvater Jahn um 1800. Er erfand gymnastische Übungen, Kniebeugen, Grätsche. Die Geburtsstunde der deutschen Turnbewegung. Weiter ging's zu den 80ern des 20. Jahrhunderts: Tele Gym mit neongrellen, hautengen Leggins und den obligatorischen Haarbändern. Doch 2010 brauchte man wieder mehr Ruhe, in der Zeitmaschine sah man Menschen in schwarz-weißer Turnausrüstung, die sich im Einklang mit sich und den anderen bewegten. Thai Chi war modern. Im Jahre 2112 hatte das grelle und bunte die Sportwelt aber wieder für sich erobert, Electric Gym kam auf. Der Blick in die Zukunft zeigte, dass die Menschen dann Gummigelenke besitzen werden und sich auf ungeahnte Weise bewegen können. Die Teilnehmer der Zeitreise im Publikum waren so amüsiert, dass sie sich eine Zugabe erklatschten.

Als der Astronaut Jan wieder auf die Zeitmaschine stieß, stellte sich heraus, dass diese sogar Gedanken lesen konnte. Doch nicht nur das: Wenn sie wollte, konnte sie auch dafür sorgen, dass der Astronaut die Gedanken von fremden Menschen hören kann. Das wurde sofort ausprobiert. Die beiden hörten bei Agathe und Paul von der Jugendvertretung ins Wohnzimmer. Die beiden schwiegen sich nach vielen Ehejahren nur noch an. Aber ihre Gedanken sprachen Bände. "Die kinnt mir 's Bier als au mol näher on de Fernseh stelle, donn bricht ich nit immer so wit laufe", dachte sich Paul und setzte sich mit dem zweiten Bier vor die Sportschau. "So ä Suffkuddel", meinte Agathe dazu nur, und machte sich über Mon Chèrie her. "Abba wofür die Schokolad dodrum gut si soll", dass konnte sie sich nicht erklären. Der einzige, der aussprach, was er dachte, war der Papagei. Als Agathe beim Bügeln auffiel, dass Paul heute wohl seine "schnittige Badhos" tragen musste, vergaßen die beiden, dass sie sich eigentlich nichts mehr zu sagen haben und verschwanden hinterm Sofa.
Weiter im Programm ging's mit den Zauberputzfrauen von den Donnerstagasturnerinnen. Zu Sailors "Girls Girls Girls" legten Sie einen flotten Hexentanz auf's Parkett. Bewaffnet mit Staubwedeln fegten sie über die Bühne und ließen kein Staubkorn auf dem anderen. Die zeitreisenden Zuschauer waren so begeistert, dass sie den Tanz gleich nochmal sehen wollten.

Nach dieser Vorstellung hatte die Zeitmaschine einen Bart bekommen. „Ich komme gerade aus dem Jahr 1810 und hatte noch keine Zeit, mich zu rasieren“. 1810, das Jahr, in dem Turnvater Jahn das Hillclimbing erfand. Da musste Astronaut Jan sich gleich mithinbeamen. Gesagt, getan. Im Jahre 1810 gelandet, sahen die beiden eine Turngruppe vom TV Gengenbach, die ihren Trainer auf Leitern in den Saal trugen. Dort hissten sie zunächst die Flagge des TVG, bevor das Training mit der Trillerpfeife begann, ganz nach jahn’scher Manier. Der Höhepunkt waren allerdings die atemberaubenden akrobatischen Darbietungen an den Leitern, die die „Alten Herren“ mitgebracht hatten.
Als die Zeitmaschine nach dieser Darstellung wieder in einen anderen Zeitraum fliegen musste, versagte ihre Mechanik. Gut, dass die intergalaktischen Krankenschwestern aus Steinach nicht weit waren. Mit einem gewagten Tanz in knappen Kostümen bekamen sie den Notfallpatienten ganz schnell wieder gesund. Auch hier forderte das Publikum eine Zugabe.

Mit dem nächsten Programmpunkt konnte die Zeitreise eine lang ungeklärte Frage beantworten: Warum gibt es im TV Zell so viele rüstige Hundertjährige? „The Last Action Heaven“ der Freitagsabendsturner zeigte, wie sich die älteren Mitglieder des Turnvereins auf Trab halten. Von Montag bis Donnerstag gingen sie schwerfällig auf Stöcken umher. Am Freitag hatte das Trübsalblasen jedoch ein Ende. Zu „Highway to Hell“ von AC/DC waren alle Zipperlein vergessen und die Hundertjährigen rockten ab, was das Zeug hält.

Für Aufregung sorgte auch „Maiks Traum“ von den Leistungsturnern. Maik träumte, wie seine 20 Kinder von 25 verschiedenen Frauen von ihm bespaßt werden wollten. Doch dazu war er gar nicht in der Lage. Nicht mal ein Liedchen konnte er ihnen vorsingen. Gut, dass eines seiner Babys musikalischer war als er und die anderen Kinder etwas bei Laune hielt. Und am Ende hatte Maik die bahnbrechende Idee: „Lasst uns doch zusammen turnen“. Dazu ließen sich die 20 Riesenbabys nicht zweimal auffordern. Am Hochreck legten sie eine ausgezeichnete Kür hin.

Vor dem letzten Programmpunkt wurde die Zeitmaschine nochmals von Astronaut Jan gewartet und geölt. Danach konnte die Zeitreise durch die Musik mit den Tanzmädels losgehen: Eine altmodische Mutter zeigte ihrem Sohn, der am liebsten Hip Hop hört, was man zu ihrer Jugendzeit so gehört hat. Aber der verzog sich lieber. Als ihr Mädchen nach Hause kam, wollte es nach so einem anstrengenden Schultag „einfach mal nur entspanne: Weisch, so chille.“ Und das könne es am besten mit seiner Lieblingsband, den „Spice Girls“. „Ah ja, die Spitzegirls, des gfallt mir au“, freute sich die Mutter. Als „Posh Spice“, „Scary Spice“, „Baby Spice“, „Sporty Spice“ und „Ginger Spice“ imitierte die Tanzgruppe die fünf „Spice Girls“ auf der Bühne. Doch so richtig konnten sich Mutter und Tochter nicht für ein Lied entscheiden. Gut, dass der Opa aufklären konnte, was richtige Musik ist: „Weisch, Musik muss berühre. In de Seele drinne. Un des konn nur ein Lied richtig.“ Wie sehr die Musik berührte, zeigten die Tänzerinnen zu „Loose Control“ von Missy Elliot, was sie dank der Zugaberufe aus dem Publikum gleich zwei mal aufführen durften.

Vorsitzende Sybille Sybille Nock dankte allen Verantwortlichen, die für den reibungslosen Ablauf des Abends sorgten: Dem Bewirtungsteam der Montags- und Mittwochsfrauen, der Maske, Licht und Ton, dem Hausmeister und besonders Hilde Willmann, die sich schon seit über zehn Jahren alleine um das Bühnenbild kümmert. Gemeinsam sangen alle Akteure auf der Bühne den Zeller Narrenmarsch und zogen mit einer Polonaise durch die Turnhalle.
Im Anschluss an das Programm des Turnerballs spielten „Blue Sky“ in der Turnhalle, die schon den ganzen Abend zwischen den Programmpunkten für Unterhaltung sorgten. Im Zelt hinter der kleinen Halle spielte die Zeller Band „Die Spätzünder“, danach legte ein DJ bis in die frühen Morgenstunden auf.

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